Sie können bei mir Vorträge und Workshops zu unterschiedlichen Themen der Kultur- und Naturwissenschaften buchen. Im Folgenden ist mein Standard-Repertoire aufgeführt. Die Höhe des Honorars richtet sich nach Dauer, Inhalt und Aufwand und wird für jede Veranstaltung neu ausgehandelt. Gerne können auch neue Themen ausgearbeitet oder Vorhandenes dem Anlass angepasst werden. Mein thematisches Spektrum entnehmen Sie bitte meiner Publikationsliste. Kontaktieren Sie mich zwecks Anfragen und Buchungen: wgotto@web.de.

 „Das junggeglühte Männlein“

Ein Märchen der Brüder Grimm über Verjüngungsstrategien und sein Bezug zur heutigen Anti-Aging-Industrie

Vortrag mit Bebilderung / 45-60 Minuten

Das Märchen vom junggeglühten Männlein zeichnet ein grausiges Bild vom Alter und seinen körperlichen Gebrechen. Im Mittelpunkt steht das Unvermögen des eigenständigen Auskommens angesichts zunehmender körperlicher Einschränkungen. Der alte Mensch ist auf Almosen angewiesen. Altersarmut war in früheren Zeiten, und jüngst auch wieder heute, vor allem für diejenigen, die nicht auf familiäre Unterstützung hoffen durften, ein ernstzunehmendes Problem. Betteln war häufig der einzige Ausweg, der den Alten und Kranken noch blieb. Zwar setzten sich Kirchen und Klöster entsprechend des christlichen Gebots der Nächstenliebe bereits früh für die Bedürftigen ein, gaben ihnen Nahrung und Obdach, aber diese Unterstützung schloss Verhungern insbesondere in Krisenzeiten nicht aus. Hilfe kommt im Märchen von himmlischer Seite, und dies auf ziemlich drastische Weise, wie zu hören sein wird. Der Greis wird von Gott verjüngt, damit er sein Auskommen wieder selbst verdienen kann. Als ein Schmied dies in menschlicher Hybris nachzuahmen versucht, tritt allerdings die Katastrophe ein… Die bis in die Antike zurückzuverfolgenden Bilder von Jungbrunnen, Altweibermühlen und anderen Verjüngungsstrategien finden sich bis in unsere Zeit. Nämlich in den Behandlungsmethoden der Anti-Aging-Industrie, die seit einigen Jahren einen ungeheuren Boom erlebt.

 

„Pflanzenwelt im Jahreslauf“

Wildgemüse im Spiegel von Mythologie und Volksglaube

4 Vorträge mit Bebilderung: Frühling, Sommer, Herbst und Winter / jeweils etwa 60 Minuten

Ewiger Kreislauf von Werden, Wachsen, Vergehen und Wiederentstehen. Seit Menschengedenken beeinflussen die Jahreszeiten Natur und Kultur gleichermaßen. Ihr Reigen entsteht durch den Einfallswinkel der Sonne. Unser Planet ist um 23,5 Grad geneigt, und da diese Neigung stets in dieselbe Richtung weist, fallen im Sommer die Sonnenstrahlen steiler und im Winter flacher auf die Erdoberfläche. Das beschert uns in den gemäßigten Breiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter – und wieder Frühling. In vier Vorträgen, die den einzelnen Jahreszeiten gewidmet sind, wird es um Wildpflanzen im Jahreskreis und ihre Beschreibung durch Mythos, Märchen und Volksglaube gehen. Daneben werden auch einige pharmazeutische und kulinarische Verwendungsweisen ausgesuchter Wildgemüse beispielhaft vorgestellt. Die Geschichten sollen Lust und neugierig machen auf das, was uns in der jeweiligen Saison draußen in der Natur begegnet und wie wir es mit allen Sinnen begreifen, hören, sehen, riechen und schmecken können.

 

„Barbie-Puppe mit Atombusen“

Kontroversen um eine Skulptur der Frau Holle auf dem Hohen Meißner

Vortrag mit Bebilderung / 45-60 Minuten

Vor einigen Jahren unterbrach geschäftiges Treiben die arkadische Stille in den wieder aufgeforsteten Freizeitflächen nahe der Landstraßenkreuzung L3241/L3242 in Nordhessen. Das Gezwitscher der Vögel im Naturschutzgebiet erstarb jäh, als eine mächtige hölzerne Masse durch das Unterholz gewuchtet und am Ufer des Frau Hollen-Teiches installiert wurde. Der Naturpark Meißner-Kaufunger Wald sowie der Hessen-Forst hatten im Rahmen der Hollen-Kampagne eine 3,15 Meter hohe und etwa 1,5 Tonnen schwere Skulptur aus Ulmenholz aufstellen lassen, welche Frau Holle darstellen soll. Eine junge, dralle Frau Holle – mit großen, schweren Brüsten, auf denen der erschöpfte Wanderer seinen Blick ruhen lassen kann…

Unweit der alten kurhessischen Residenzstadt Kassel, zwischen Eschwege und Lichtenau, erhebt sich das Bergmassiv des Hohen Meißner bis zu einer Höhe von etwa 750 Meter über dem Meeresspiegel. Aufgrund seines reichen Sagenschatzes wird der Berg seit Langem in Zusammenhang gebracht mit der Gestalt der Frau Holle. Nachdem er Jahrhunderte lang intensiv bergmännisch erschlossen worden war, führte man den Hohen Meißner entsprechend der Spielregeln der Dienstleistungsgesellschaft vor einigen Jahren einer touristischen Nutzung zu. Dabei kam es zu einer nicht uninteressanten Kontroverse um eine Holzfigur, die im Rahmen des Vortrags beschrieben wird.

„Frau Holle“ 

Von Übermüttern, nachtfahrenden Weibern und der Vereinnahmung einer Märchengestalt

Vortrag mit Bebilderung / 45-60 Minuten

Die Vielgestaltigkeit der Frau Holle als große Muttergottheit ermöglicht, ausgehend vom populären mythologischen Deutungsansatz, ein breites Spektrum unterschiedlichster Darstellungsweisen. Ob nährende Muttergottheit, zerknitterte alte Matrone mit Putzzwang oder junge dralle Sexbombe – die Gesichter der Frau Holle sind Legion. Fraglos wird der Mythos vor dem Hintergrund verschiedener Ideologien instrumentalisiert und nicht selten missbraucht und ausgeschlachtet. Doch was nach all diesem Firlefanz übrigbleibt, ist weit mehr. Es ist der Wind, der in mondheller Nacht durchs Geäst streicht und die Wasseroberfläche kräuselt.

 „Nicht See noch Land“

Mensch und Moor im Wandel der Zeit

Vortrag mit Bebilderung / 60 Minuten

Hochmoor. Endlose Weite, baumlos. Konvexe Wölbung ins Unendliche. Kein Gewächs über Kniehöhe, nirgends Schattenwurf und Regenschutz, nur weite Himmel über dem Morast. Moospolster, gezirkelt allein durch den Horizont. Weithin schwimmendes Kraut, olivgrün, gelbgrün, braungrün. Schwingrasen. Dazwischen Kolke. Schwarze unergründliche Wasserlöcher bilden Muster im nassen Schwamm des Grüns. Unbehaustes Grenzland fern der Menschenwelt, nicht See noch Land. Erhaben und ungeheuerlich gleichermaßen.

Die großen Hochmoorgebiete Mittel- und Nordeuropas entstanden nach dem Ende der letzten Eiszeit vor rund zehntausend Jahren. Lange Zeit nahezu unbewohnt und nur für Religion und Ritus sowie einen eingeschränkten Torfstich zum Zwecke der Brennstoffgewinnung minimal genutzt, kam es erst ab dem 16. Jahrhundert zu einer erwähnenswerten Veränderung der Böden durch den Menschen. Die einzelnen Stationen dieser Entwicklung können nicht zuletzt auch als Spiegel kultureller Paradigmenwechsel betrachtet werden. Am Anfang steht die noch recht planlose und wenig nachhaltige Moorbrandkultur. Weitaus organisierter ging man im Zeitalter der Aufklärung mittels der aus den Niederlanden eingeführten Fehnkultur vor. Allerdings konnte auch durch diese Methode der unfruchtbare Untergrund nur unwesentlich verändert und für die Landwirtschaft aufbereitet werden. Ende des 19. Jahrhunderts folgte die sogenannte „Deutsche Hochmoorkultur“. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam es durch Tiefpflugverfahren und Sandmischkultur zu maßgeblichen Veränderungen in der Bodenbeschaffenheit. Heute jedoch, wenige Jahrzehnte nach dem Ende der letzten nennenswerten Hochmoorkomplexe Norddeutschlands, kehrt sich diese Entwicklung ins Gegenteil. Renaturierung und Wiedervernässung sind die Zauberworte der Gegenwart. Doch ist dies wirklich ein Schritt in Richtung einer wiedergewonnenen Ursprünglichkeit?

„Mittler zwischen den Welten“ – Alte im Märchen

Vortrag mit Bebilderung / 45 Minuten

„Uns ist in alten mæren, wunders vil geseit“, so auch über die Alten und das Alter an sich. Insbesondere bei Grimms Märchen – gesammelt, überarbeitet und publiziert von Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859) in den Jahren von 1806 bis 1858 – handelt es sich um Texte, die weltweit anhaltende Popularität erleben. Man kann daher davon ausgehen, dass die Altersbilder, welche sich in den Märchen finden lassen, ebenfalls von großer gesellschaftlicher und kultureller Tragweite sind – was nicht zuletzt bedeutet, dass sich die Darstellungsweisen des Alters, möglicherweise bis in die Gegenwart auf den Umgang mit dem eigenen Alter und dem der Mitmenschen auswirken. Märchen sind eben keineswegs weltfremde Kindergeschichten, sondern Spiegel einer Gesellschaft, ihrer Werte und Normen. Aus diesem Grund lohnt es, einmal genau hinzusehen, wie Alter und Alte in den Erzählungen beschrieben werden. Der Vortrag konzentriert sich auf ein bestimmtes Motiv: „Alte als Mittler zwischen den Welten“. Fraglos werden in Grimms Märchen noch weitere Altersbilder transportiert. Das Alter im Kontext der Kinder- und Hausmärchen ist ein weites Feld. 

 

„Der Greis ist heiß“ – Alterssex zwischen Emanzipation und Disziplinierung

Vortrag mit Bebilderung / 30 Minuten

„Alte Männer sind gefährlich, denn die Zukunft ist egal /Alte Frauen sind begehrlich, denn es ist das letzte Mal.“ So singt der 1946 im westfälischen Gronau geborene Udo Lindenberg auf seinem 2008 erschienenen Album „Stark wie zwei“. Im Refrain dann die Kernbotschaft, die zentrale Message des in die Jahre gekommenen Deutschrockers: „Ach, wie gut, dass keiner weiß / Der Greis ist, häh? / Der Greis ist heiß…“ Indes dürfte angesichts der gegenwärtigen Hyper-Thematisierung von Alterssex mittlerweile jeder mitbekommen haben, dass der Greis heiß ist oder doch zumindest heiß zu sein hat. Lindenberg steht nämlich nicht alleine da mit seinem kernigen Kampfgesang für das Recht der Alten auf Sexualität. Der Vortrag lotet die gesellschaftlichen Hintergründe dieser Entwicklung aus, fragt nach dem Woher und Wohin. Ist die neue Rede von der Alterssexualität eine Form von Emanzipation oder kann sie als Zwang, als neue Norm im Kleid vordergründiger Revolte betrachtet werden?

 

„Wann ist der Mensch ein Mensch“ – Menschenbilder und Unmenschenbilder

Votrag mit Bebilderung und anschließender Diskussion / 45-60 Minuten

Was ist ein Mensch? Das, was einen Menschen ausmacht, ist keineswegs festgeschrieben. Es wird vielmehr kulturell verhandelt und gründet auf den jeweiligen kulturellen Kontext. Dafür existieren eine ganze Menge Beispiele in historischer und kulturvergleichender Perspektive, welche hier in einer Auswahl beispielhaft vorgestellt werden. Menschenbilder sind wandelbar. Die in einer Gesellschaft vorherrschenden Menschenbilder geben indes auch Auskunft darüber, was nicht als menschlich und wer nicht als Mensch von der Mehrheitsgesellschaft wahrgenommen wird. Doch sind die Grenzen gar nicht so klar. Mitunter drohen Stigmata, Marginalisation und Exklusion. In unserer heutigen auf Leistung und Kognition ausgerichteten Gesellschaft trifft das vor allem behinderte und alte Menschen. Aber auch das Fremde spielt eine große Rolle bei der Festschreibung des Eigenen.

„Von Mammutjagd und Homeoffice“

Wandel der Arbeitswelt von der Steinzeit bis in die Gegenwart

Vortrag mit Bebilderung und anschließender Diskussion / 45-60 Minuten

Die Wirtschaftsweise des Menschen hat sich in den vergangenen Jahrtausenden grundlegend verändert. Bedenkt man, dass wir unser Auskommen für Jahrmillionen als Jäger und Sammler bestritten haben, ist unsere heutige postindustrielle Dienstleistungssgesellschaft von nur kurzer Dauer. Auch Sesshaftwerdung, Ackerbau und Viehzucht sind vergleichsweise junge Entwicklungen im Zuge der Neolithischen Revolution vor rund achttausend Jahren. Die Landwirtschaft ist ein Wimpernschlag in der Geschichte der Menschheit. Umso mehr gilt dies für Industrialisierung und Digitalisierung. Anhand von Beispielen aus der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie eigenen Erfahrungen und solchen aus dem Auditorium wird der Wandel der Arbeitswelt dargestellt werden. Dabei werden auch die Auswirkungen auf Identität und Gesundheit beleuchtet und Möglichkeiten der Bewältigung diskutiert.